Therapeuten Ethik. HPZs Regeln.

Therapeuten EthikFragwürdige Therapeuten Ethik.
Kürzlich vertraute mir ein Therapeut an, er habe sich in eine Klientin verliebt, und es sei zu sexuellen Handlungen gekommen.
Da bin ich rigoros: So etwas betrachte ich als verboten. Der Grund? Eine Klientin kommt zum Therapeuten mit einer klaren Rollenvorstellung: Sie ist Klientin, und der Therapeut ist Therapeut. Das ist ein Vertrag, egal ob schriftlich oder mündlich, egal ob explizit oder implizit. Der Therapeut weiß in kürzester Zeit sehr viel über die Klientin; umgekehrt ist das nicht der Fall, d.h. es besteht eine Art Abhängigkeitsverhältnis. Diese Abhängigkeit wird umso demütigender erlebt, wenn die Beziehung wieder zu Ende geht.

Der besagte Therapeut erwiderte meine Schelte mit dem Argument, man könne doch die Liebe nicht steuern, und die Klientin habe es ja auch gewollt. Dazu sage ich:

  1. Dass einen gewisse Menschen mehr faszinieren als andere, kann man nicht steuern, das ist richtig. Aber man kann seine Handlungen steuern und seine Verantwortung wahrnehmen.
  2. Mit dem gleichen Argument warten auch Pädophile immer wieder auf. Dabei vergessen sie, dass sie ein Abhängigkeitsverhältnis ausnützen. Damit sind sie ganz klar auf der Täter-Seite.

Ich kann gar nicht genug betonen, wie wichtig eine gute Supervision für männliche Therapeuten ist. Denn vieles, was für den Mann pathologisch wirkt, weil er es nicht einordnen kann, ist schlicht und einfach weiblich. Ich glaube, das Umgekehrte gilt genau so für weibliche Therapeutinnen mit männlichen Klienten. Die Gefahr sexueller Übergriffe ist dort zwar wesentlich geringer. Aber die Gefahr, etwas typisch Männliches als pathologisch einzustufen, ist permanent vorhanden.

Was tun, wenn man sich verliebt und die Chance auf gemeinsames Glück nicht vorbeiziehen lassen möchte?
Es gibt in meinen Augen nur ein verantwortungsvolles Vorgehen:

  1. Den Sachverhalt ansprechen.
  2. Die Therapie abbrechen.
  3. Falls sowohl Therapeut wie auch Klientin mehr möchten, wird eine Karenzzeit von drei Monaten vereinbart, während der es weder Telefonate noch E-Mails noch SMS-Verkehr gibt und natürlich auch keinen persönlichen Kontakt.
  4. Nach drei Monaten kann man davon ausgehen, dass das Therapeut-Klient-Verhältnis sich abgekühlt hat. Wenn dann beide immer noch Lust haben, sich auf privater Ebene näherzukommen, können sie das jetzt tun.

Ich weiß, wir haben leider keine guten Vorbilder diesbezüglich. C.G. Jung hatte eine in meinen Augen kriminelle Affäre mit seiner Patientin Sabina Spielrein. Davon handelt auch der Film Eine dunkle Begierde (David Cronenberg, 2011).

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