Deutsche, willkommen in der Schweiz!

Deutsche in der SchweizLiebe Deutschinnen und Deutsche!

Erst einmal willkommen in der Schweiz. Und Entschuldigung wegen der blöden Anrede, aber das ist hier in der Schweiz normal, zumindest unter Lehrern, Beamten und Journalisten… und -innen natürlich, obschon die mittlerweile sogar weniger Wert auf die weibliche Form legen als die männlichen Softies in den Amtsstuben, die sich nicht trauen, mit Leib und Seele Mann zu sein. Aber lassen wir das!

Nein, lassen wir’s noch nicht. Wie Bastian Sick in seinem Buch Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod so treffend sagt, ist die weibliche Form nur bei positiven Dingen gefragt. Keiner verlangt, dass Ihr Schwarzfahrerinnen, Faulenzerinnen und Verbrecherinnen gesondert weiblich ansprecht. Aber jetzt lassen wir’s definitiv!

Ich wollte ja nur sagen: Willkommen in der Schweiz! Nein, nicht als Touristen, sondern als reguläre Einwohner möchte ich Euch willkommen heissen. Lasst Euch nicht einschüchtern von den Kampagnen unserer Boulevard-Presse; die ist nämlich um keinen Deut besser als Eure.

Die Stammtischbrüder und -schwestern finden Euch arrogant, überheblich und eingebildet. So what? Die finden alle arrogant, überheblich und eingebildet, die über ein höheres Bildungsniveau verfügen als sie selbst (und das sind im Fall der Stammtischbrüder und -schwestern eben ziemlich viele). Wir neurologisch Normaldotierten sind froh, dass endlich gebildete Menschen in unser Land strömen und nicht nur Hilfsarbeiter, die bei der erstbesten Gelegenheit eine Invalidenrente beantragen.

Übrigens… ein Kulturschock wird Euch nicht erspart bleiben, auch wenn wir ähnliche Sprachen sprechen und wir Schweizer Euch zumindest akustisch und ein bisschen auch semantisch verstehen. Hier gibt’s eine kleine Einführung in die wichtigsten Helvetismen. Unter anderem werdet Ihr lernen, dass eine Ständerlampe keine Genitalbeleuchtung ist, sondern etwas total Anständiges.

Und noch ein Wort an die deutschen Politiker, die uns gerne in unser Steuersystem hineinpfuschen möchten:
Das mit der EU war nicht so gedacht, dass am Ende in allen Ländern die gleich schlechten Bedingungen wie in Deutschland gelten. Es war wohl eher so gemeint, dass jedes Land an Attraktivität gewinnt. Könnt Ihr Euch erinnern an die Zeit zwischen 1945 und dem Mauerbau 1960? Da waren die Bedingungen in Ost-Deutschland so lausig, dass alle in den Westen arbeiten gingen. Nur, das mit der Mauer zwischen Deutschland und der Schweiz wird man Euch diesmal nicht durchgehen lassen. Zumindest nicht, solange Ihr in der EU seid 😉

Also, nochmals mein gut gemeinter Rat: Ihr wisst doch jetzt, dass es nicht lange funktioniert, wenn man Menschen in lausigen Verhältnissen einsperrt und drangsaliert. Wollt Ihr’s nicht einfach mal anders probieren? Bis das endlich funktioniert, sind wir gerne bereit, unsere Wirtschaft von Euren Auswanderern ankurbeln zu lassen.

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