Intuitives Management


Hans-Peter Zimmermann Mann des Monats Manager-Zeitschrift ORGANISATOR

Erschienen in der Schweizer Management-Zeitschrift DER ORGANISATOR April 1996


 

Erfolg im Bauch

Immer mehr erfolgreiche Menschen geben heutzutage öffentlich zu, daß ihr Erfolg vor allem auf eine wichtige Eigenschaft zurückzuführen sei: Auf ein “gutes Gespür für Chancen”, auf den “sechsten Sinn” oder eben auf die berüchtigte “Intuition”.  Was früher nur von leicht suspekten Frauen vor geheimnisvollen Kristallkugeln in zwielichtigen Jahrmarkts-Buden praktiziert wurde, hat längst in den Geschäfts-Etagen der Erfolgreichen Einzug gehalten und gilt unter dem respektheischenden Begriff “Intuitives Management” als salonfähig. Der in Kalifornien lebende Management-Trainer und Wirtschafts-Autor Hans-Peter Zimmermann berichtet über seine Erfahrungen mit dem “Gefühl im Bauch”.

Wer mich kennt, der weiss, dass ich alles andere als ein Esoterik-Onkel bin. Im Gegenteil: Ich empfinde eher Mitleid mit all jenen NewAge-Freaks, die von einem Rückführungs-Seminar zum anderen hetzen, nur um alles “furchtbar interessant” zu finden und ja nichts zu verändern in ihrem Leben. Ich will Resultate sehen; alles andere interessiert mich nicht.
Diese Bemerkung musste ich meinem Bericht vorausschicken, da ich weiss, dass das, was jetzt folgt, für einige Leserinnen und Leser hart an der Grenze des Glaubwürdigen liegt.

Meine erste Begegnung mit der Intuition

Ich glaube, meine erste Begegnung mit dem Phänomen der Intuition hatte ich im Jahr 1980, als ich mich nach einer schlaflosen Nacht entschloss, nicht mehr einer Karriere und einer passenden Frau hinterherzujagen, sondern einfach einem Gefühl folgend das zu tun, was mir Spass machte.

Mir war damals, als ob eine innere Stimme zu mir sagte: “Mein Lieber, ist dir schon mal aufgefallen, dass es sich hier um dein Leben handelt? Und dass es längst begonnen hat? Und dass du allein es zu leben hast?”

Kurz darauf lernte ich die Frau kennen, mit der ich mittlerweile 15 Jahre zusammen bin. (Anmerkung 2015: Mittlerweile sind es 35!) Und mit meiner Karriere ging es steil bergauf.

So schlecht konnte es also nicht sein, wenn man diesem “Gefühl im Bauch” ein wenig Aufmerksamkeit schenkte.

Was ich von der Silva-Methode gelernt habe

Die vielen Zwischenstufen meiner Entwicklung will ich Ihnen ersparen. Eine wichtige Station muss ich jedoch erwähnen. Im November 1991 besuchten meine Frau Nany und ich zum ersten Mal ein Silva-Seminar. “Stress-Kontrolle und Bewusstseins-Erweiterung” hiess es, und das Programm wie auch der Preis klangen ganz vernünftig. Auch hier: Wenn Sie an Details interessiert sind, können Sie meinen Bericht im Buch “Geld ist schön” nachlesen.

Die Silva-Methode bietet in erster Linie drei Tage wunderbare Entspannung. Man lernt dort, den Alpha-Zustand für alle möglichen Dinge zu nutzen. Wer nicht weiss, was der Alpha-Zustand ist, für den habe ich… richtig, nochmals eine Buch-Empfehlung: “Das rechte Gehirn”* von Thomas Blakeslee. Und Sie tun gut daran, das Buch zu lesen, denn ohne Alpha-Training wird im Management des Dritten Jahrtausends nichts mehr gehen…

Am vierten Silva-Tag wandelt sich die Entspannung in Spannung. Man beweist den Teilnehmerinnen und Teilnehmern, dass alle Menschen hellsichtig sind. Der Beweis wird folgendermassen erbracht: Jeder Teilnehmer schreibt die Namen von zwei Bekannten auf einen Zettel, die eine oder mehrere Krankheiten haben, zusammen mit einer möglichst genauen Beschreibung des Charakters und der körperlichen Merkmale. Dann werden Zweiergruppen gebildet. Die Zettel werden eingesammelt und neu verteilt, so dass jede Zweiergruppe vier Krankheitsfälle bekommt. Eines der beiden Gruppenmitglieder begibt sich dann in den Alpha-Zustand und sagt, was es sieht. Ich nehme es gleich vorweg: Die Trefferquote beträgt über 90 Prozent.

Was sagt die Wissenschaft dazu?

Was von jedem zweiten religiösen Fanatiker als “Teufelszeug” abgetan wird, hat eine wissenschaftliche Parallele. Gottseidank! Denn wie sollte ich, der ich mich als “gesunden Skeptiker” bezeichne, sonst jemals mit diesen neuen Erkenntnissen leben können.

Eine der Parallelen zur menschlichen Hellsichtigkeit ist das Phänomen des Hologramms. Bei den meisten Hologrammen, die im Handel erhältlich sind, handelt es sich um Kopien. Ein Original-Hologramm sieht aus wie eine Glasplatte. Wenn Sie es in einen Laserstrahl halten, taucht hinter der Glasplatte ein verblüffend dreidimensionales Bild auf. Wie das genau funktioniert, können Sie im Grossen Brockhaus (Anmerkung 2015: Heute natürlich bei Wikipedia) nachlesen.

Ich möchte Sie nur noch auf die verblüffendste Eigenschaft eines Hologramms hinweisen. Wenn Sie nämlich so ein Ding in tausend Stücke zerschlagen und einen kleinen Splitter in den Laserstrahl halten, sehen Sie nicht einen Teil des Bildes, sondern das ganze Bild! Egal, wie klein der Splitter ist: Er enthält immer das ganze Bild.

Nun liegt der Gedanke natürlich nahe, jeden Menschen als kleinen Splitter eines Hologramms zu betrachten und dieses Hologramm “kollektives Unbewusstes” oder “morphisches Feld” zu nennen, wie es der Psychologe C.G. Jung und der Zellbiologe Rupert Sheldrake getan haben. Sie können es auch “Gott” nennen, von dem man sich bekanntlich kein Bild machen soll und es doch immer wieder tut.

Aus dem Biologie-Unterricht wissen wir ja noch, dass jede unserer Körperzellen die Information des gesamten Menschen in sich trägt. Ist es da so abwegig zu behaupten, dass jeder Mensch die ganze “göttliche Information” in sich trägt? Wenn man unsere “Heiligen Schriften” genau liest, dann bestätigen sie es alle.

Und was bringt das uns Unternehmern?

Mir war die Silva-Übung mit den kranken Menschen immer ein wenig unangenehm. Deshalb stellte ich einmal an meinem Management-Seminar die folgende Aufgabe: In einer Zweiergruppe gibt eines der beiden Mitglieder dem anderen einen Zettel mit Vornamen, Nachnamen, Alter und Wohnort eines Bekannten. Der andere erfindet frisch von der Leber weg eine Geschichte zu diesem ihm unbekannten Menschen. Wo wohnt er? Hat er Familie? Ist er glücklich? Was hat er für einen Charakter? Was sind seine äusserlichen Merkmale? Was übt er für einen Beruf aus? Welche Hobbys hat er?

Wundert es Sie, dass wir auch hier eine Trefferquote von über 90 Prozent verzeichnen können?

Wie könnten wir diese Fähigkeit nun nutzbringend anwenden? Nun, eines möchte ich Ihnen gleich gesagt haben: Wenn Sie damit Machtmissbrauch treiben wollen, sind Sie selber schuld. Wer auf der Machtstufe operiert, muss sich nicht wundern, wenn auch auf ihn Macht ausgeübt wird.

Aber sagen Sie selbst: Wäre es nicht schön, wenn Sie beispielsweise einen Stellenbewerber vor sich hätten, und Sie sähen mehr als das, was er Ihnen zeigt und hörten mehr als das, was er Ihnen sagt? Genau das ist es, was die Teilnehmer meiner Seminare mit dieser neuen Fähigkeit anfangen. Sie werden feinfühliger, ihre Menschenkenntnis und ihre Kommunikationsfähigkeit nimmt zu, und damit natürlich auch ihr Gespür für Chancen. Sie werden kreativer und sind damit ihrer Konkurrenz meilenweit voraus. Und Letzteres ist es vor allen Dingen, was sie von reinen “Erledigern” zu echten Unternehmern macht.

Ein vorübergehender Trend?

Es stellt sich natürlich die berechtigte Frage: Ist “Intuitives Management” eine echte Entwicklung oder bloss ein vorübergehender Trend? Tatsache ist, dass selbst Grosskonzerne wie AT&T, Lockheed und PepsiCo ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in “Intuitivem Management” schulen lassen. Laut dem amerikanischen Magazin “Intuition” soll Lockheeds Renner in der internen Schulung ein Kurs sein mit dem Titel “Jenseits der Grenzen; eine mythische Reise zum Qualitätsbewusstsein”.

Mein persönlicher Tip: Fragen Sie zehn erfolgreiche Menschen nach ihren Rezepten. Wenn acht von ihnen zugeben, dass sie einer inneren Stimme folgen, dann scheint etwas dran zu sein an diesem “Erfolg im Bauch”.

 

*Bücherliste:

  • Blakeslee, Thomas R.: Das rechte Gehirn. Aurum-Verlag,
  • Eggetsberger, Gerhard H.: Power für den ganzen Tag. Orac-Verlag,
  • Zimmermann, Hans-Peter: Geld ist schön, successbooks
  • Zimmermann, Hans-Peter, Kick Nr. 5 (CD zum Thema Intuition)

(Anhang)

Fünf Tipps, wie Sie Ihre Intuition schulen können

  1. Entspannen Sie sich jeden Tag mindestens zehn Minuten lang, wenn nötig mit Hilfe von Entspannungs-Kassetten.
  2. Machen Sie Visualisierungs-Übungen. Schliessen Sie die Augen und stellen Sie sich zum Beispiel eine Szene aus Ihrem letzten Urlaub vor. Oder malen Sie sich in Gedanken ein Bild von Ihrer Zukunft. Oder überlegen Sie sich, was das für ein Gefühl wäre, wenn Sie Ihr momentan grösstes Problem gelöst hätten.
  3. Wenn Sie im Visualisieren einmal geübt sind, machen Sie ab und zu das Gegenteil einer Visualisierungs-Übung. Schliessen Sie Ihre Augen und versuchen Sie, an gar nichts zu denken. Wenn dennoch Gedanken kommen, begrüssen Sie sie und verabschieden Sie sie wieder. Lassen Sie Ihre Gedanken vorbeiziehen, ohne ihnen allzu viel Beachtung zu schenken. Mit der Zeit beruhigt sich der Gedankenfluss und Sie werden ganz andere Bewusstseins-Zustände erleben.
  4. Setzen Sie sich im Freien hin und beobachten Sie einfach die Natur. Achten Sie bewusst darauf, was Sie sehen, hören und riechen.
  5. Nehmen Sie öfter ein paar tiefe Atemzüge und spannen Sie beim Einatmen den PC-Muskel an. Der PC-Muskel ist derjenige Muskel, den Sie brauchen, wenn Sie auf dem Klo sitzen und das Telefon klingelt. Alles klar?
    Es ist mittlerweile wissenschaftlich erwiesen, dass diese Übung mehr Lebensenergie weckt. Vergleichen Sie dazu Gerhard Eggetsbergers Buch “Power für den ganzen Tag”.