Neale Donald Walsch Parodie – Gespräche mit dem Beelzebub


Neale Donald Walsch Parodie – Gespräche mit dem Beelzebub

oder: Was tun, wenn Gott schon alles gesagt hat?

Von Hans-Peter Zimmermann

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Neale Donald Walsch Parodie
Jede Ähnlichkeit mit tatsächlich existierenden Teufeln wäre rein zufällig.
Die namentlich erwähnten Personen sind Pseudonyme für real existierende Menschen gleichen Namens.

 

Sie kennen vielleicht die „Gespräche mit Gott“ aus der Feder des Amerikaners Neale Donald Walsch. Dann wissen Sie auch, dass Walsch nicht müde wird zu betonen, dass jeder den Kontakt mit Gott aufnehmen und diese Informationen von ihm bekommen kann. Das kann ich bestätigen. Nur gibt es ein Problem: Gott wusste nichts Neues zu berichten. Er erzählte mir Wort für Wort genau das, was er Neale Donald Walsch, sehr zur Freude von dessen Verleger, schon erzählt hatte. Als ich dagegen aufbegehrte, meinte er: „Wenn du vom Höchsten nichts Neues erfahren kannst, wende dich doch an den Zweithöchsten. Der weiß vielleicht auch Interessantes zu berichten.“
Ob er Recht hatte, müssen Sie schon selbst beurteilen. Hier ist mein Dialog mit dem Beelzebub:


 

Du bist also der Teufel.

Nein.

Wie nein?

Ich bin der Geist, der stets verneint. Schon vergessen?

Moment, wir machen hier kein Faust-Plagiat, oder?

Plagiat? Nein. Wenn schon eine Parodie. Eine Parodie ist ein Plagiat, gegen das man rechtlich nichts unternehmen kann. Was schon mal schlecht ist für mich…

Warum denn das?

Weil die Rechtsanwälte alle mir gehören.

Oh la la, das fängt nicht gut an. Willst du, dass die mich verklagen?

Ich sage doch, gegen eine Parodie können die nichts machen!

Wollen wir’s hoffen! Hast du die Bücher von Neale Donald Walsch gelesen?

Mein Lieber, ich muss doch so etwas nicht lesen. Ich weiß auch so, was drin steht.

Und?

Ja, Gewahrsein des Einsseins zwischen den Dimensionen sich erfahren können, und sequentsimultan im Hier-und-Jetzt auf den Teppich kotzen.

Heißt das, du magst die Bücher nicht besonders?

Ich bitte dich! Wenn man den Satan beeindrucken will, muss man schon mehr tun als ein bisschen Quantenphysik aus Esoterik-Büchern abschreiben und gechanneltes Material kopieren!

Zugegeben, einiges ist mir auch bekannt vorgekommen.

Aber klar doch. Und die Amis fahren wieder darauf ab und glauben, der Walsch habe einen besonderen Draht zum Chef, nur weil sein Verleger etwas von Marketing versteht.

Du nennst Gott Chef? Gibst du zu, dass du ihm unterlegen bist?

Das habe ich immer zugegeben. Ich habe es auch dem Goethe in die Feder gelegt: „Ich bin ein Teil von jener Kraft, die stets das Böse will, doch stets das Gute schafft.“ Will heißen: Ich kann mir Böses einfallen lassen noch und noch, die meisten Menschen suchen doch immer das Positive dahinter. Und was das Schlimmste ist: sie finden es auch! Was soll ich machen? Ich halte es mit der AVIS-Autovermietung: „We’re only number two, we try harder.“

Sorry, das muss ich rasch übersetzen für meine Leser…

Ich wusste nicht, dass die so ungebildet sind.

Na na na, nicht übertreiben. Das kann’s ja mal geben, dass einer kein Englisch kann. Also: „Wir sind nur die Nummer zwei. Wir geben uns mehr Mühe.“

Da fällt mir ein, HERTZ ist Nummer eins. AVIS Nummer zwei. AVIS heißt auf Französisch „Meinung“. Herz schlägt Meinung?

„Schlägt“ ist falsch. Der Chef schlägt mich nicht. Wenn er mich nicht brauchen würde, hätte er mich längst in Luft aufgelöst.

Wenn ich in meinem Power-Letter meine Meinung sage, fühle ich mich manchmal auch etwas teuflisch.

Gut so. Das bist du auch.

Aber wenn er dich nicht vertreibt, wird er mich auch noch eine Weile walten lassen.

Was heißt denn hier „walten lassen“? Er braucht dich! Meinst du, mit Typen wie Walsch alleine würde er seinen Durst stillen können?

Wie bitte? Gott hat Durst?

Aber sicher, warum sollte er sonst diese ganze Schöpfung vom Zaun gerissen haben?

Du gibst also zu, dass er das war?

Wer denn sonst?

Deine Fans, die Anhänger satanischer Sekten, behaupten doch, du seist der Herrscher der Erde!

Ich bitte dich! Müssen wir auf das Niveau satanischer Sekten sinken?

Du findest die nicht gut?

Meinst du, Gott findet Scientology, die Zeugen Jehovas und die Papst-Sekte gut?

Ach so, nein, eigentlich nicht. Ich dachte, du wärst etwas einfacher gestrickt.

Würde der Chef dann so eng mit mir zusammenarbeiten?

Na ja, ich habe auch eine Zeitlang mit einem einfacher gestrickten Menschen zusammengearbeitet. 

Ich weiß, der Chef hat ihn dir geschickt.

Der Chef? Nicht du?

Nein, ich hab’ ihn dir wieder weggenommen, als es Zeit war.

Ich muss euch beiden danken. Beides war richtig zu seiner Zeit.

Siehst du, du tust es schon wieder!

Was?

Schon wieder suchst du in allem das Positive.

Und was soll daran falsch sein?

Kann ich nicht einfach mal etwas zerstören, und es bleibt ein Desaster. Müsst ihr immer alles wieder aufbauen, noch schöner und noch göttlicher?

Nein, kannst du nicht. Du gibst ja zu, dass du nur die Nummer zwei bist.

Ja, ist ja okay.

Der Teufel gibt klein bei?

Der Teufel weiß, wann etwas keinen Zweck hat.

Ja, und jetzt? Der Chef sagte, ich soll mich an dich wenden. Du wüsstest vielleicht etwas Interessantes.

Ja. Mein Rat ist: Macht einfach so weiter wie bisher!

Du meinst, mit dem Morden, dem Bekriegen, dem Zerstören der Umwelt, damit du endlich dein Desaster hast?

Glaubst du das wirklich?

Dass du das Desaster willst? Das sagtest du doch schon.

Ich sagte, dass ich stets das Böse will, doch stets das Gute schaffe.

Geht das umgekehrt eigentlich auch?

Wie meinst du das?

Dass man das Gute will, und das Böse schafft?

Klar geht das. Du hast doch schon oft erlebt, dass jemand zu dir in die Therapie kam, dem die Eltern alle Hindernisse aus dem Weg geräumt hatten. Angeblich weil sie das Beste für ihn wollten. Was ist daraus entstanden?

In der Regel verweichlichte Typen, die sich im Leben nicht behaupten können und in der Partnerschaft nur Vergnügen suchen. Und wenn die Partnerin mal gerade nicht gut drauf ist, gehen sie fremd.

Siehst du! Und so etwas Teuflisches entsteht, wenn die Eltern „nur das Beste“ wollen.

Dann soll man also böse Absichten haben, damit das Gute entsteht?

Nein. Man sollte nur besser unterscheiden lernen zwischen Gut und Böse. Denn was die Eltern in deinem Beispiel wollten, war nicht gut. Sie wollten „das Schlechte“ von ihrem Sohn fernhalten und ihn damit „ums Leben bringen“.

Hoppla, der Teufel ist auch Psychologe. Das nennt man doch Reaktionsbildung, oder?

Nenne es, wie du willst. Es ist auf jeden Fall nicht „in Ordnung“ und daher teuflisch.

Also gut für dich!

Weißt du eigentlich, woher das Wort „diabolisch“ kommt?

Ja, ich hab’s mal bei Dethlefsen gehört. „Diabalein“ bedeutet im Griechischen so etwas wie „auseinanderwerfen“, „symbalein“ bedeutet „zusammenführen“.  Danach wäre das Symbolische das Gegenteil vom Diabolischen. Wird wohl auch der Grund sein, warum man in alten Heil-Traditionen wie Reiki und Huna auch mit Symbolen arbeitet.

Richtig. Sie versuchen damit den Teufel zu vertreiben. Aber ich lasse mich nicht vertreiben!

Nachdem mir deine Funktion immer klarer wird, und nachdem du zugegeben hast, dass du nur die Nummer zwei bist, muss ich sagen „gottseidank“.

Ja ja, der Chef kriegt mal wieder den ganzen Dank, und ich gehe leer aus. Das ist nicht gut. Das ist gar nicht gut.

Du meinst, das ist böse.

Ja.

Ich denke, du magst böse Jungs?

Ja, nein, ja. Mein Gott, ich weiß bald selbst nicht mehr, was gut ist und was böse.

Da haben wir Menschen dir etwas voraus, seit Adam und Eva vom Baum der Erkenntnis gegessen haben! Übrigens hast du gerade „mein Gott“ gesagt, das wollte ich nur festgehalten haben.

Und kannst du dich auch erinnern, wer ihnen den Apfel schmackhaft gemacht hat?

Ja, natürlich du. Aber sag’ jetzt nicht, dass du im Auftrag des Chefs gehandelt hast!

In wessen Auftrag denn sonst?

Moment, verstehe ich das richtig? Gott gibt seinem engsten Mitarbeiter den Auftrag, die Menschen dazu zu bringen, dass sie etwas können, was weder Gott noch der Teufel können? Nämlich Gut von Böse zu unterscheiden?

Ich geb’s zu: Gott hätte das auch alleine gekonnt. Überzeugen, meine ich.

Und warum hat er es nicht getan?

Er mag es nicht, wenn die Menschen von ihm denken, er sei ein Böser.

Gott mag es nicht? Gott hat Gefühle?

Na ja, sagen wir’s mal so: Gott weiß, dass die Menschen Gefühle haben, und dass sie diese Gefühle in gute und schlechte Gefühle unterteilen wollen. Er hat sich dafür hergegeben, die guten Gefühle auf sich zu vereinen.

Dann ist Gott ein Egoist.

Du scheinst nicht zu verstehen: Erstens, wenn Gott, wie Neale Donald Walsch nachplappert, „alles ist, was ist“, dann kann er nicht gut ein Altruist sein, oder? Weil es außer ihm nichts gibt. Und zweitens, ich finde es sehr großzügig von ihm, dass er mir die schlechten Gefühle überlässt.

Das verstehe ich nicht.

Überlege doch: Positive Gefühle sind statisch, negative sind dynamisch. Wenn du ein negatives Gefühl hast, verändert sich etwas. Das ist viel spannender!

Ich habe ja schon oft scherzhaft geäußert, dass das Paradies für meinen Geschmack etwas langweilig ist.

Das ist kein Scherz. Das ist so. Was meinst du, wie sich Gott im Garten Eden gelangweilt hat!

Und du?

Mich gab’s noch gar nicht.

Was?!

Wie oft muss ich dir noch sagen „we’re only number two“? Gott hat mich geschaffen, damit Leben in die Bude kommt.

Dann bist du ein göttliches Wesen?

Oh Gott, wie begriffsstutzig kann man eigentlich sein? Es steht ja sogar in der Bibel, ich sei mal Gottes Lieblingsengel gewesen. Ist natürlich ein Witz, denn Gott hat keine Lieblinge. Aber mein Name, Luzifer, der ist korrekt überliefert. Ja ja, schon gut, du musst das für deine Leser übersetzen…

Luzifer, von Lateinisch „lux“ und „ferre“, bedeutet „Lichtträger“. Aber den Namen trägst du heute zu Unrecht. Du wirst doch immer als lichtscheuer Kerl geschildert.

Von den Ungebildeten, mein Lieber, von den Armen im Geiste, auf die du so allergisch bist. Die Gebildeten lesen Goethe und amüsieren sich köstlich, wenn Mephisto den lieben Gott besucht und anschließend sagt „Von Zeit zu Zeit seh’ ich den Alten gern.“

Dieses Zitat habe ich auch schon von Ungebildeten gehört. In einer Fernsehsendung, wo es darum ging, welche Krimiserie die Beste sei, der Alte, Tatort oder Derrick.

Haha, Scherzkeks!

Aber ich habe jetzt wirklich meine Zweifel, ob ich dieses Gespräch veröffentlichen soll.

Ach komm! Gott hat mit seinem Walsch schon mehr als ein Dutzend Bücher auf den Markt geworfen, und du gönnst mir nicht mal dieses kleine Kaffeegeplauder?

Übrigens habe ich dem Walsch eingehaucht, dass er immer „ja“ sagt, wenn der Verleger wieder ein neues Buch haben will.

Ich dachte, du bist der Geist, der stets verneint?

Die Menschen lasse ich auch mal ja sagen, wenn sie eigentlich nein sagen sollten. Das ist das Teuflischste, was es gibt.

Dann macht ja die Stelle doch Sinn, wo Georg Büchner seinen Woyzeck sagen lässt: „Herr Hauptmann, ist das Ja am Nein schuld, oder das Nein am Ja? Ich will drüber nachdenken!“

Teuflisch gut, oder? Hab’ ich dem Büchner eingehaucht. Na ja, der Chef hat ein wenig geholfen. Büchner hat aber das Nachdenken darüber nicht überlebt, der Arme. War wohl noch zu jung dazu. Ja, Denken ist schon eine teuflische Angelegenheit!

Dann lass’ mich mal nachdenken: Wenn ich sage, dass der Teufel göttlich ist, kommen doch die ganzen religiösen Fundamentalisten und werfen mir vor, ich sei ein Gehilfe des Teufels. Und die satanischen Sekten haben eine weitere Bestätigung dafür, dass sie den Richtigen verehren.

Also erstens, die religiösen Fundamentalisten finden sowieso alles teuflisch, was nicht nach ihrer Pfeife tanzt. Und die Sataniker sind doch eh die größten Schwachköpfe, was kümmern die dich überhaupt?

Hast ja recht.

Und? Weißt du sonst noch etwas Interessantes?

Ja. Willst du wissen, woran du merkst, dass die Bücher von Walsch nicht von Gott stammen?

Machst du Witze? Klar will ich das wissen!

Schlag’ mal die Seite 250 von seinem Schmöker „Zuhause in Gott“ auf.

Dort fragt Walsch, wie das denn aussehen würde, wenn er ganz nach diesen Erkenntnissen handeln würde.

Und Gott antwortet:

Erstens würdest du nie wieder negative Gedanken hegen. Zweitens würdest du ihn dir sofort aus dem Sinn schlagen, sollte sich doch mal ein negativer Gedanke einschleichen.

Und? Merkst du was?

Einen negativen Gedanken aus dem Sinn schlagen, klingt sehr nach Verdrängung.

Eben, und du weißt, welche teuflischen Auswirkungen Verdrängung haben kann, oder? Ich freue mich jetzt schon darauf, wenn die Esoterik-Freaks ausrasten, weil sie alles Negative in sich hineingefressen haben.

Lasset dem Teufel seine Schadenfreude! Aber du hast ja auch gesagt, der Chef und du können manchmal Gut nicht von Böse unterscheiden. Dann gäbe es ja so etwas wie einen negativen Gedanken gar nicht.

Brav, mein Junge, du checkst es voll.

Checken? Ist das Teufelssprache?

Na, göttlich klingt’s jedenfalls nicht, oder? Lies weiter. Was fällt dir noch auf?

Also, da steht:

Achtens würdest du nie wieder einen anderen Menschen absichtlich – auf psychischer oder physischer Ebene – verletzen. 

Ich habe mal zu einer Frau gesagt, sie habe wenig Sinn für andere Menschen, ob ihr das schon mal aufgefallen sei. Zuerst war sie zutiefst verletzt, und nach ein paar Wochen dankte sie mir für die Aussage.

Eben, siehst du! Was soll der Blödsinn, dass man niemanden verletzen soll? Wer bestimmt, wann es sich um eine psychische Verletzung handelt, und wann um ein liebevolles Aufwecken? Das ist ja mein Dilemma! Noch während ich mich daran freute, dass die Frau sich verletzt fühlte und du kurz ein paar Gewissensbisse wälztest, wusste ich schon, dass ihr wieder etwas Positives daraus machen würdet.

Langsam aber sicher tust du mir leid. Du hast es wirklich nicht leicht. Armer Beelzebub!

Hör auf, Mitleid ertrage ich nicht.

Warum, ist Mitleid göttlich?

Nein, es ist teuflisch. Aber genau deswegen brauche ich’s nicht. Ich bin schon teuflisch genug.

Höre ich da heraus, dass du neidisch bist auf Gott?

Wenn Gott der wäre, für den viele von euch ihn halten, dann hätte ich allen Grund, neidisch zu sein. Ich meine euren Sonntagsschul-Gott, der niemandem etwas Böses tut, und der von euch nur die guten Gedanken bekommt.

Während du alle bösen Gedanken auf dich nimmst?

Ja. Sag selbst, zeugt das nicht von sehr viel Liebe zu den Menschen? Bruaaahhh, Liebe, mich schaudert’s.

Hast du gerade den Teufel mit dem Beelzebub ausgetrieben?

So ähnlich hat es sich angefühlt.

Ich habe noch eine Frage: Wenn Gott nur positive Gedanken von uns bekommt, kann er sich dann überhaupt entwickeln? Das ist doch ähnlich, wie wenn man einem Kind alle Hindernisse aus dem Weg räumt!

Korrekt. Deswegen hat er ja mich erschaffen. Damit ich den anderen Pol spielen kann. Schon mal gemerkt, dass Elektrizität auch zwei Pole hat? Gott ist plus, ich bin minus. So entsteht Spannung. Nur die Menschen sind manchmal so blöd, dass sie glauben, den Minuspol abschaffen zu können. Nur weil einer die Spannung des Lebens nicht aushält, muss er doch nicht die Naturgesetze auf den Kopf stellen, oder?

Andererseits, Blödheit muss dich doch freuen!

Ja, und Freude nervt!

Oh la la, ich sag’s noch einmal: Ich möchte nicht in deiner Haut stecken.

Tust du aber. Genau so wie du in Gottes Haut steckst. Ich sag’s nur ungern, aber in einer Sache hat Walschybaby Recht: Wir sind alle ein- und dasselbe.

Das dürfen wir aber niemandem sagen, denn sonst wird aus der Parodie doch noch ein Plagiat, und damit eine Angelegenheit für deine Handlanger, die Rechtsanwälte.

Ach was, ich werde einfach dafür sorgen, dass die richtigen Leute zur rechten Zeit beim Lesen gestört werden. Das mit dem Hologramm kennst du ja.

Dass in jedem Splitter eines Hologramms das ganze Bild zu sehen ist?

Ja, und dass der Splitter nichts weiß vom Bild, weil es ja in ihm enthalten ist. Folglich können nur Außenstehende das Bild betrachten.

Ui, jetzt wird’s aber happig, wie René Egli sagen würde…

Ja ja, der Egli, mein Lieblings-Scherge. Ich möchte nicht wissen, wie viele Beziehungen der auseinander gerissen hat („diabalein“, du erinnerst dich?) dadurch, dass einer der Partner ein selbstgerechter LOLA-Freak geworden ist. Das heißt, ich weiß es schon, aber ich sage es nicht.

Komm, nicht ablenken jetzt. Das war eben sehr spannend. Der Splitter weiß nichts vom Bild. Genau so weiß auch das ganze Hologramm, also die Glasplatte, nichts vom Bild. Denn das Bild entsteht ja erst durch die Betrachtung von außen.

Korrekt. Und erinnerst du dich, wo das Bild beim Original-Hologramm, bei dessen Herstellung du mal assistiert hast, zu sehen war?

Ein paar Zentimeter hinter der Glasplatte, frei schwebend in der Luft.

War es wirklich dort?

Nein, wenn man es zu greifen versuchte, griff man ins Leere.

Also war es eine Illusion?

Offenbar.

Wodurch kam sie zustande?

Ich weiß nicht. Durch die Platte?

Die Platte allein zeigt gar kein Bild.

Man musste sie in den Laserstrahl halten. 

Dann ist aber die Analogie von Gott, der das Hologramm darstellt, nichts wert. Denn das würde ja bedeuten, Gott braucht eine Laserkanone. Und selbst dann müsste jemand außerhalb von Gott sich das Bild betrachten. Gott könnte höchstens wissen, dass da ein Bild in ihm drin ist. Aber sehen könnte er es nicht.

Kluges Köpfchen. Und was machst du jetzt daraus?

Also, mein erster Gedanke ist, dass Gott nicht das Hologramm ist, sondern der Betrachter des Hologramms.

Nicht schlecht. Weiter.

Dann wären wir Menschen das Hologramm.

Nicht nur die Menschen, sondern die ganze Schöpfung.

Ach so, ja.

Und ich? Was bin ich?

Menschenskind! Das einzige, was noch übrig bleibt, ist die Laserkanone!

Bingo! Deshalb heiße ich auch Luzifer, der Lichtträger.

Dann nenne ich dich jetzt Laserfred, okay? Das würde ja bedeuten, dass Gott ohne dich nichts sehen könnte.

So ist es. Er wüsste zwar, dass da etwas ist. Aber er könnte es nicht betrachten. Deshalb ist es völlig daneben, wenn es am Anfang der Bibel heißt „und Gott sah, dass es gut war“. Das konnte er noch gar nicht sehen, weil es mich noch nicht gab. Mattscheibe, verstehst du?

Ja. Und „gut“ konnte er es sowieso noch nicht finden, solange es kein „böse“ oder „schlecht“ gab. 

Die Typen, die die Bibel zusammengestellt haben, waren eben nicht die hellsten Köpfe…

…besitzen aber die Frechheit zu behaupten, Gott habe sie dabei geleitet.

Hat er natürlich. Wer sonst?

Das heißt, Gott hat uns bewusst in die Irre geführt?

Damit würde er sich selbst in die Irre führen. Sowas tut er nicht.

Aber als ich bei der Herstellung eines Hologramms assistierte, waren wir zwar nachher Betrachter, mein Tüftler-Freund und ich. Aber vorher war da ein echtes Nadelkissen, das wir holographisch abbildeten.

Und wer hat das Nadelkissen erschaffen?

Na, irgendwelche Menschen halt. Nadelkissen-Produzenten, oder wie man die nennt.

Und du meinst, das war ein echtes Nadelkissen?

Es fühlte sich so an.

Das ist keine Antwort auf meine Frage.

Okay, die moderne Physik sagt, es ist nur eine Illusion. 

Ja. Es ist genau so ein Trugbild wie das Bild, das später hinter der Glasplatte in der Luft schwob.

Schwob?

Ja, lass mich auch mal ein wenig biblisch daherkommen. Ich aber sage euch und spreche: Ihr bildet die Illusion einer Illusion ab.

Hast du etwas gegen das Wort Information? Denn zumindest hat doch die Illusion eine Form, oder?

Richtig. Ich wollte nur testen, ob du noch aufpasst.

Das würde also bedeuten, wir sollten uns bewusst sein, dass wir das Hologramm sind. Und wir lassen uns von dir beleuchten, damit Gott etwas in uns sehen kann. Ob du leuchtest oder nicht: Uns könnte es eigentlich egal sein, denn am Hologramm selbst ändert sich nichts. Nur für Gott ist es langweiliger. Aber kennt Gott überhaupt das Wort Langeweile?

Er kennt es, weil ihr es erschaffen habt. Aber du solltest dich nicht darum kümmern, ob Gott Gefühle hat oder nicht. Die Frage ist: Wie fühlst du dich?

Langeweile habe ich noch nie gekannt. 

Das ist schon mal gut. Du kannst die Schöpfung lieben oder hassen. Nur gleichgültig sollte sie dir nicht sein.

Ich habe den Eindruck, ich hätte noch nie so viel Liebe für die Schöpfung empfunden.

Sag’ es treffender!

Wie, treffender?

So viel Liebe? Hallo! Jemand da?

Ach so, du meinst, Liebe kann man nicht quantisieren? Dann muss es heißen: Ich habe den Eindruck, dass ich zum ersten Mal wahre Liebe für die Schöpfung empfinde.

Wieder falsch.

Was ist jetzt schon wieder falsch?

Wahre Liebe? Sind wir hier im Musikantenstadl?

Was, den kennst du auch?

Aber klar doch. Meine Lieblings-Schergen belohne ich regelmäßig mit einer Moderatorenstelle. Der Moik ist zu göttlich geworden, deshalb musste er gehen.

Moik und göttlich? Dass ich nicht lache!

Mein Gott, müssen wir wieder von vorn beginnen?

Der Walsch würde das tun, damit er noch ein Buch schreiben kann und noch eins und noch eins.

Das darf er gerne tun. Aber wir hören jetzt auf. Das heißt, sobald Du den Satz korrekt hingeschrieben hast.

Gut. Ich habe den Eindruck, dass ich zum ersten Mal Liebe für die Schöpfung empfinde. Allerdings finde ich den Ausdruck „zum ersten Mal“ angesichts der Relativität der Zeit fragwürdig.

Ach, du willst noch den vom relativen Raum-Zeit-Kontinuum im sequentsimultanen Quantenschaum unterbringen? Das hat doch der Walsch schon bis zum Überdruss getan, dieser Quantenschaum-Schläger.

Teufel auch, jetzt ist Schluss!